Die Reise: Neun Wochen quer durch Kuba
Hannes Körber und ich bereisten im Frühjahr 2008 neun Wochen lang Kuba, die größte der Karibikinseln. Hannes ist ein weit gereister Ethnologe und Frontmann der legendären deutschen Punkband KGB. Er war wie auch ich bisher vorwiegend in asiatischen Ländern und Kulturen unterwegs. Schon 1986 lernten wir uns beim kulturwissenschaftlichen Studium kennen, nun machten wir uns zum ersten Mal gemeinsam auf die Reise. Beide mit großem Reiseerfahrungshintergrund wollten wir uns der für uns neuen kubanischen Kultur und ihren Menschen nähern. Außer dem Hin- und Rückflugtag nach Havanna stand vorher nichts fest. Natürlich hatten wir die Idee, bis ans östliche Ende der Insel zu reisen, doch die einzelnen Etappen und die Zeit, die wir dort jeweils verbringen würden, war offen. Hannes ist besonders an der Musikszene Kubas interessiert, mit der wir interessante Kontakte schlossen. Mein Interesse ist es, mich mit dem Blick des schreibenden Beobachters dem reizvollen Prozeß des Eintauchens und des zunehmend vertrauter Werdens mit einer fremden Kultur auf die Reise zu begeben. Auch die Chance, durch Vergleiche mit der fremden Kultur mehr über die eigene zu erfahren, wollte ich nicht ungenutzt verstreichen lassen Beide staunten wir über die spannende Alltagskultur, über die Fertigkeiten, die alle auf Kuba besitzen müssen, um ihr Leben zu organisieren. Unserem Eindruck nach ist Kuba eine Art "karibischen DDR", mit allen sozialistischen Vorzügen bezüglich Wohnen, Bildung und Gesundheit. Aber auch mit den bekannten Nachteilen wie Vetternwirtschaft, Korruption, wirtschaftliche Fehlplanungen, Schlendrian und Diebstählen in den Wirtschaftsbetrieben des Landes. Und all dies angefülllt von einer von Musik- und Tanz begeisterten Bevölkerung, die es zu feiern liebt und die sich aus vielen Kulturen zusammensetzt, vornehmlich aus West- und Zentralafrika, aber auch Spanier, Franzosen und vielen anderen mehr. Ein Motiv, nach Kuba zu reisen, war für uns wie für viele andere, die Insel noch zu Castros Zeiten zu erleben. Nicht dass wir uns den revolutionären Mythen ergeben hätten, die seit über fünfzig Jahren propagiert werden. Die vorgefundene Mischung aus karibischer Lebenskunst und sozialistischem Staatssystem überwältigte uns. Unsere Erwartungen wurden weit übertroffen. Der Grund dafür ist nicht nur in der herrlichen Natur , sondern vor allem die fröhliche und unkomplizierte Liebenswürdigkeit der Kubanerinnen und Kubaner zu suchen.
Etappen Kubareise 2008
Havanna 31.12. - 9.1.; Trinidad 9. - 22.1.; Camagüey 22. - 24.1; Santiago de Cuba 24. - 26.1.; Baracoa 26.1 - 6.2.; Santiago de Cuba 6. - 9.2.; Villa Sibhoney 9. - 16.2.; Santa Clara 17. -19.2.; Remedios 19. - 23.2.; Cienfuegos 23. - 28.2. Havanna 28.2. - 3.3.2008
